Konkurrenz für PayPal: Bankenverband plant sekundenschnelle Überweisung

Deutsche Banken wollen Bezahldiensten wie PayPal mit dem neuen Bezahlsystem Instant Payment Konkurrenz machen. Damit sollen ab 2018 Überweisungsbeträge in zehn Sekunden auf dem Konto des Empfängers landen. Der deutsche Bankenverband erwartet, dass sich recht viele Geldinstitute am neuen Bezahlverfahren beteiligen.

Geldtransfer direkt

Instant Payment schon im ersten Quartal 2018

Der europäische Rechtsrahmen für Instant Payment solle ab November 2017 stehen. Das sagte Michael Kemmer als Hauptgeschäftsführer des BdB (Bundesverband deutscher Banken) der dpa. Daher erwarte man die ersten Anbieter spätesten bis März 2018. Es wäre eine Revolution für das gängige Überweisen von Geld, das bislang rund einen Bankarbeitstag dauert und nur per (teurer) Blitzüberweisung schneller geht. Dann kann die Gutschrift auf dem Gegenkonto in einigen Stunden erfolgen.

Alternativen bieten bislang spezialisierte Zahlungsdienstleister, die Überweisungen in wenigen Minuten anbieten. PayPal oder sofort.com stellen insofern Ausnahmen dar, als dass diese Unternehmen wie Treuhänder fungieren und gegenüber dem Zahlungsempfänger eine Zahlungsgarantie abgeben – auch wenn das Geld in Wahrheit noch nicht gebucht wurde. Dadurch leisten beispielsweise Online-Shops bei einer PayPal- oder sofort.com-Zahlung umgehend.

Doch zwischen Privatleuten kommt diese Verfahren praktisch nicht zum Einsatz. Am schnellsten gehen Überweisungen bislang im SEPA-Raum mit TransferGo (in max. 30 Minuten). Mit Instant Payment aber werden sich beispielsweise private Autokäufer und -verkäufer blitzschnell und per Smartphone-App auch hohe Summen überweisen. Dieses Beispiel führte der Verbandsvertreter Michael Kemmer auch als mögliches Einsatzgebiet für Instant Payment an. Wie schnell sich das System flächendeckend durchsetzen werde, wisse man nicht, so Kemmer: Die Kreditinstitute seien keinesfalls verpflichtet, daran teilzunehmen. Die Einführung des Systems sei mit hohen Investitionen verbunden. Dennoch erwarte man einen allmählichen Einzug der neuen Blitzüberweisung in ganz Europa.

Wie funktioniert Instant Payment?

Die digitale multikanalfähige Zahlungsverkehrslösung steht technisch 24/7 bereit. Der Empfänger erhält in Sekunden die Zahlungsnachricht, der Absender des Geldes ebenso schnell die Bestätigung der Ausführung. Nach spätestens zehn Sekunden soll das Geld dem Konto des Empfängers gutgeschrieben sein, der dann auch darüber verfügen kann.

Die bislang existierenden Zahlungssysteme wie PayPal, sofort.com und weitere (unter anderem noch MyBank und Ideal) ermöglichen nicht die sofortige Verfügung über das Geld. Doch es gibt einen hohen Bedarf an Zahlungslösungen, bei denen der überwiesene Betrag sofort zur Verfügung steht. In vielen Staaten der Welt existieren solche Systeme schon, darunter in Australien, Finnland, Dänemark, Großbritannien, Mexiko, Kanada, in den Niederlanden, Norwegen, Polen, Singapur, Schweden, Südafrika und Thailand. Alle Seiten profitieren davon.

Konsumenten zahlen so einfach, wie sie eine Mail versenden, Händler können durch sicherere Prozesse viel schneller wachsen, Provider erschließen wahrscheinlich neue Umsatzpotenziale. Auch die Sicherheit und Effizienz auf Behördenebene könnte steigen.

Geplant ist hinsichtlich des Gesetzesrahmens, dass es keine Insellösungen geben darf, bei denen beispielsweise nur Kunden eines bestimmten Bankenverbandes sich mit Instant Payment Geld überweisen können. Daher sollen die europäischen Banken ein sogenanntes Scheme entwickeln, also ein Regelwerk inklusive technischer Standards für Instant Payment, das für alle Banken gilt.

Instant Payment zeichnet sich durch die drei wichtigen Eigenschaften der Multikanalfähigkeit, der ständigen Verfügbarkeit und der sekundenschnellen Überweisung und Gutschrift aus. Auch in der Nacht von Samstag auf Sonntag funktioniert damit eine entsprechende Überweisung in Sekunden, und zwar auch (wegen der Multikanalfähigkeit) vom Smartphone aus.

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