Überweisung zurückholen

Überweisung zurückholenWenn Sie als Bankkunde einen Fehler bei einer Überweisung machen (etwa die falsche IBAN verwenden), so können Sie die Überweisung zurückholen. Hierbei gibt es – anders als beim Rückbuchen einer Lastschrift – ausdrücklich keine Fristen. Sie müssen so schnell wie möglich reagieren. Etwas anders verhält es sich bei fehlerhaften Überweisungen mit existierenden Kontodaten oder im Falle eines Betrugs.

Grundsätzliches zum Zurückziehen von Überweisungen

Grundsätzlich ist der erteilte Überweisungsauftrag unwiderruflich. Die Rechtslage besagt, dass der Überweisende den Empfänger kontaktieren muss, um sein Geld zurückzuerhalten. Die Überweiserbank – also die Bank des Kunden – wird aber in aller Regel aus Kulanzgründen versuchen, die ausgelöste Überweisung zu stoppen. Das Zeitfenster hierfür ist im elektronischen Überweisungsverkehr minimal.

Gerade im Online-Banking werden die Überweisungen automatisiert bearbeitet. Das gilt auch für Auslandsüberweisungen. Allerdings ist für diese in verschiedenen Fällen die Frist für die Gutschrift auf dem Empfängerkonto länger oder entfällt sogar völlig. Das schafft mehr Spielraum, um eine Überweisung rückgängig zu machen.

Gesetzliche Fristen

Aus den maximalen gesetzlichen Ausführungsfristen für Überweisungen ergibt sich das Zeitfenster, in welchem Sie eine Überweisung stornieren können.

Es gelten folgende Fristen:

  • 1 Tag für Euro-Überweisungen im EWR (Europäischer Währungsraum, gilt auch für Inlandsüberweisungen)
  • 2 Tage für beleggebundene Euro-Überweisungen im EWR mit einem Überweisungsvordruck
  • 4 Tage für Nicht-Euro-Überweisungen im EWR
  • keine Fristen für Überweisungen außerhalb des Europäischen Währungsraumes

Dass es eine längere oder gar keine Frist für die Gutschrift auf dem Empfängerkonto gibt, bedeutet nicht automatisch, dass Sie Ihr Geld auch nach Tagen oder Wochen zurückbekommen. Sie können prinzipiell nicht eine Überweisung stornieren, sondern nur den Empfänger bitten oder auffordern (im Betrugsfall gerichtlich zwingen), Ihnen das Geld zu erstatten. Alternativ hilft Ihnen Ihre Bank. Für die Fristberechnung ist immer der Geschäftstag maßgebend. Wenn Sie also am Wochenende eine Überweisung auslösen, beginnt die Frist erst am Montag.

Gibt es eine Haftung für fehlerhafte Zahlungsaufträge?

Überweisungen rückgängig machenDiese Frage kommt von etwas älteren Personen, die aus früheren Jahrzehnten gewohnt waren, dass die Bank die Kontonummer/Bankleitzahl des Empfängers mit dessen Namen abgleicht. Doch schon seit 2003 gilt die EU-Preisverordnung (EU-Richtlinie 2560/2001) für Auslandsüberweisungen und die Vereinheitlichung des inländischen und grenzüberschreitenden Zahlungsverkehrs. Diese Verordnung hat auch die vorher geltende Prüfpflicht von Banken beendet.

Seither sind die Banken nicht mehr zur Überprüfung der Richtigkeit von Angaben in einem Überweisungsauftrag verpflichtet. Sie haften also nicht für eine fehlerhafte Überweisung. Das ist der häufigste Grund, warum Kunden eine Überweisung zurückbuchen wollen: Sie haben die IBAN falsch angegeben. Sowohl der Mitarbeiter am Schalter als auch ein Online-Tool verwendet aber ausschließlich die angegebene IBAN als Authentifizierung für das Empfängerkonto.

In welchen Fällen kann der Kunde das Geld zurückbuchen?

Peer to Peer ÜberweisungenEs gibt Fälle, in denen die Rückbuchung relativ unkompliziert möglich ist. Ein Klassiker sind Doppelbuchungen, bei denen derselbe Betrag kurz hintereinander an denselben Empfänger und auch mit identischem Verwendungszweck ging. Ein anderer klassischer Fall ist eine nicht existierende IBAN. In diesem Fall kommt das Geld ohne Aktion automatisch zum Absenderkonto zurück. Ein Fehler des überweisenden Kunden hingegen kann nur durch die Kulanz seiner eigenen und nötigenfalls auch der Empfängerbank behoben werden. Die Bank darf dafür ein Entgelt erheben.

Die Problematik bei Online-Überweisungen ins Ausland

Wechselkurse bei Überweisungen ins AuslandWer online bei ausländischen Anbietern einkauft, nutzt dafür oft Zahlungsdienstleister wie PayPal. Dieser Dienstleister und einige andere Anbieter gewähren einen Käuferschutz. Dieser ermöglicht das Rückbuchen der Überweisung bei nicht erfolgter Lieferung. Ohne diesen Käuferschutz müsste der Kunde wiederum den Verkäufer um die Rücküberweisung bitten oder nötigenfalls prozessieren, was im Ausland sehr teuer ist. Es ist daher für Auslandsüberweisungen viel eher die SEPA-Lastschrift zu empfehlen. Diese bietet die Möglichkeit, die Zahlung innerhalb von acht Wochen zu stornieren.

Überweisung im Betrugsfall rückgängig machen

Im Betrugsfall kann der Kunde die Gegenseite auffordern, das Geld zurückzubuchen, gleichzeitig sollte umgehend eine Anzeige erstattet werden. Diese Anzeige nimmt jede deutsche Polizeidienststelle entgegen (auch die Staatsanwaltschaft), selbst wenn der Täter im Ausland sitzt. Die deutschen Behörden kooperieren mit den Polizeidienststellen im Ausland.

Um das Geld zurückzubekommen, muss der Kunde nicht einen Zivilprozess anstrengen, wenn der Betrüger gefasst wird und über die Mittel für den Schadenersatz verfügt. Das ist allerdings eher selten der Fall, weil Kriminelle ihre Beute tarnen. Daher gilt gerade beim Verdacht eines Betrugsfalles:

Je schneller Sie handeln, desto eher bekommen Sie durch die Kulanz Ihrer Bank (und der Empfängerbank) Ihr Geld zurück.

Leider laufen allerdings Online-Betrügereien so ab, dass die vermeintlichen Verkäufer wertvolle Waren extrem billig offerieren, die Käufer daraufhin das Geld überweisen und dann tagelang auf die Ware warten – bis sie merken, dass etwas nicht stimmt. Dann ist es zu spät, das Geld auf dem Bankweg zurückzubuchen.

Was ist mit hinterlassenen Bankdaten aufgrund von Phishing-Angriffen?

ÜberweisungsbetrugStrikt zu trennen vom Rückbuchen einer selbst ausgelösten Überweisung ist die Lastschrift und damit auch der Betrug, bei dem der Kaufinteressent auf einer gefälschten Bankseite seine Online-Banking-Daten hinterlässt. Wenn daraufhin von seinem Konto Geld abgehoben wird, ist er nicht haftbar, da er keinen Überweisungsauftrag ausgelöst hat. Seine Bank müsste den Schaden tragen, wenn der Kunde ansonsten alle Sorgfaltspflichten beachtet hat, ihm also nicht mangels Sorgfalt oder fehlender Virenschutzsoftware seine Zugangsdaten gestohlen wurden.

Die Betrugsmasche könnte dann nur darauf hinauslaufen, dass der Kunde versehentlich oder wissentlich eine Lastschrift auslöst, die er acht Wochen lang stornieren kann. Wenn allerdings der Betrug so ablief, dass der Kunden mit einer TAN selbst die Überweisung ausgelöst hat, hat er wiederum wie bei jeder Überweisung prinzipiell selbst den Schaden zu tragen. Diese Beweiserleichterung zugunsten eines Geldinstitutes nimmt jedes Gericht bei der Verwendung von mTANs an, nicht hingegen bei einfachen TAN-Listen. Diese verwendet aber kaum noch eine Bank.

Fazit zum Stornieren einer Überweisung

Eine Überweisung können Sie prinzipiell nicht selbst zurückbuchen, aber zurückfordern. Ob Sie damit Erfolg haben, hängt vom Empfänger ab. Ihre Bank hilft Ihnen aus Kulanzgründen, wenn Sie sehr schnell reagieren – am besten binnen Stunden. Nötigenfalls muss auch die Empfängerbank zustimmen, wenn Sie eine Überweisung widerrufen und Ihr Geld zurückholen möchten. Sollten die Banken nicht helfen, müssen Sie den Empfänger zum Rückbuchen auffordern und nötigenfalls zivil- oder strafrechtliche Schritte einleiten.

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2 Gedanken zu “Überweisung zurückholen

  1. Super Zusammenfassung. Ergänzen möchte ich den Artikel jedoch noch um ein paar Zusatzinfos… Wichtig bei einer fehlerhaften Überweisung ist super schnell zu handeln und die Bank zu informieren. Unter Umständen kann es sein, dass die Bank den Zahlungsauftrag noch gar nicht ausgeführt hat.

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